Nussknacker

Vögel

Die Vorratswirtschaft der Tannenhäher ist musterhaft. Im Herbst sammeln sie für sich und den Nachwuchs wochenlang Haselnüsse oder Zirbelnüßchen und vergraben sie im Boden. Das Erstaunliche: Sie finden ihre Vorratskammern auch unter meterhohem Schnee!

Tannenhäher

Vor Jahren kamen im Herbst Vögel nach Mitteleuropa, die Aufsehen erregten. Sie waren kaum scheu, und es gab ungewöhnlich viele Unglücksfälle auf den Straßen, weil diese Vögel offenkundig keine Erfahrungen mit Autos hatten. Vogelkundler stellten fest: Es war eine Invasion von Tannenhähern.

Das Wort "Invasion" gehört zur Fachsprache: So bezeichnet man das plötzliche Auftreten einer Vogelart in großer Menge; derartiges gibt es - in mehr oder weniger auffallender Form - immer wieder: Auch bei den Tannenhähern gab es schon mehrfach solche Invasionen. Diese Vögel kommen aus der sibirischen Taiga, also aus jenem unermeßlichen Waldgebiet, das nur dünn besiedelt ist. Dort hatten die Tannenhäher keine Gelegenheit gehabt, den Menschen als möglichen Feind oder die Autos als Todesgefahr kennenzulernen. Offenbar kommt der größte Teil dieser Tannenhäher, die Mitteleuropa erreichen, hier im Lauf des Winters um. Denn einen Rückzug in die sibirische Heimat kann man im allgemeinen nicht beobachten. Immerhin werden gelegentlich einige dieser Vögel bei uns seßhaft, auch Bruten wurden schon nachgewiesen.

Die Ursachen derartiger Invasionen sind noch nicht genügend geklärt. Sie liegen wahrscheinlich in einer periodischen, vom Wetter abhängigen Übervölkerung. Vielleicht setzt dann gleichzeitig ein akuter Nahrungsmangel ein. Man weiß, dass die Tannenhäher in der Taiga Spezialisten sind und von den Samen einer Kiefer leben, die sie aus den Zapfen hervorholen. (Es handelt sich dabei allerdings nicht um unsere Waldkiefer, deren kleine, geflügelte Samen vom Winde verweht werden, sondern um eine Art, die mit der Zirbelkiefer unserer Hochgebirge verwandt ist.)

Die sibirischen Einwanderer waren in manchen Gebieten Europas nicht ganz so staunenswert fremd wie etwa im Küstengebiet oder in der flachen norddeutschen Tiefebene. Den Bewohnern unserer Mittelgebirge und vor allem der Alpenländer erscheint der Tannenhäher ganz vertraut. Es gibt nämlich dort schon solche Vögel. Diese europäischen Tannenhäher gehören zwar einer anderen Rasse an, doch ist diese der sibirischen ganz ähnlich. Wenn man die Vögel im Freien sieht, kann man sie nicht ohne weiteres unterscheiden. Die europäische Form hat allerdings einen kräftigeren Schnabel, so dass man hier vom "dickschnäbeligen" Tannenhäher spricht im Gegensatz zum "dünnschnäbeligen" Invasionsvogel.